Rückblicke 2013

Wir werden bald noch weitere Rückblicke von Lesungen aus dem Sommersemester 2013 hinzufügen.

GruenerDunstPlakatFAGrüner Dunst

23.10.2013 Absinth, Rottstraße, Bochum

Die Bochumer Kneipe Absinth in der Rottstraße war Treibgut nicht nur aufgrund mehrerer dort abgehaltener Stammtische eine Herzensangelegenheit. Es ging auch darum, ein Statement gegen die zu diesem Zeitpunkt anstehende Verschärfung des Rauchverbots zu setzen und das dadurch befürchtete Kneipensterben.

„Grüner Dunst“ lautete das Motto des Abends. Dass Treibgut mehrheitlich aus Nichtrauchern bestand, spielte dabei keine Rolle, es ging uns auch um die Zukunft dieser urigen Location. Der aktuelle politische Anlass brachte zudem etwas zusätzliche mediale Aufmerksamkeit und ein etwas gemischteres Publikum als bei Treibgut-Lesungen auf dem Campus. Das Absinth war somit gut gefüllt, an der Theke war nur noch wenig Platz und auch die Stehplätze wurden rar. Zum Rauchen gingen dennoch immer wieder Grüppchen nach draußen, Gesetz ist Gesetz.

Ulrich Schröder, auf dessen Initiative diese Lesung zustande gekommen war, führte durch den Abend und gab mit „Teergarten“ später auch einen thematisch passenden Text zum Besten. Den Auftakt machte jedoch Jörg Schönewerk, der spontan noch ins Line-up geschlüpft war, um mit einer satirischen Tirade gegen das Rauchverbot vom Leder zu ziehen.

Carsten Marc Pfeffer, früherer Treibgut-Mitstreiter und nun unter anderem Theatermacher am Rottstr5-Theater, kam mit den Eskapaden seines literarischen Alter Egos, Tilo Tiburski, sehr gut an. Reichlich Applaus gab es auch für Julius Kühn, der sein neues musikalisches Projekt „Red Moving Tree“ samt frischgepresster EP vorstellte und dessen von Blues und Folk beeinflussten Songs viel Anklang fanden. Jules* Cachecoeur von Treibgut bezauberte das Publikum ebenfalls mit ihren poetisch getexteten und gefühlvoll vorgetragenen Liedern.

Das Satirefach wurde von den Treibgut-Autoren Marek Firlej und Johannes Opfermann würdig vertreten, der eine mit brachialer Wortgewalt, der andere mit beißendem Sarkasmus.

Alles in allem bot der Abend abwechslungsreiche literarische Unterhaltung, und auch der Wirt des Absinth war von dem Publikumszuspruch angetan und einer Wiederholung nicht abgeneigt. Zudem war die Lesung ein guter Vorgeschmack auf die wenige Wochen später anstehenden Lesungen der Gestrandet-Reihe.

 

Gestrandet34

Gestrandet 34: Endlich Ruhrlaub! I

06.11.2013 KulturCafé, Ruhr-Universität Bochum

Herbstlaub auf der Ruhr und der Wunsch nach einer Verschnaufpause schon kurz nach Semesterstart hatten gleichermaßen den Titel dieser Lesung inspiriert. Es sollte wieder doppelt Gelegenheit für Literatur von der Ruhr geben, dann neben dem KulturCafé gab es noch einen weiteren Spielort, und zwar den Dortmunder Buchladen des Straßenmagazins bodo, das bei dieser Lesung Kooperationspartner war.

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Katharina Mraz auf der Gestrandet-Bühne

Am Mittwoch, 6. November 2013, begann das Double Feature im KulturCafé. Treibgut-Autorin Antonia Rumpf präsentierte den Beginn eines Textprojekts unter dem Arbeitstitel „Nikita“, das sich mit Identitätssuche befasst.

Die Texte ihres Kollegen Tim Kollande sind häufig irgendwie mit einem surrealen Romanprojekt über den Atomkrieg verflochten, was jedoch hinter Tims nicht unüblichen Stand-Up-Eskapaden in den Hintergrund trat. Katharina Mraz, die seit einem Auftritt 2010 bei der Offenen Bühne Treibgut stets als treue Zuhörerin begleitet hatte, feierte mit teils sehr persönlichen Gedichten ein gelungenes Gestrandet-Comeback.

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Baasztian am Mikro – ausnahmsweise ohne Gitarre

Für Johannes Opfermann, der zwar schon ein gestandener Gestrandeter ist, gab es an diesem Abend eine Premiere, denn er moderierte das erste Mal solo eine Treibgut-Lesung. Mit einem neuen Teil seiner „Klang-Kartell“-Satire steuerte er auch einen Text bei.

Vor allem klingende Texte hatte auch der Comedy-Singer-Songwriter Bastian Mayerhofer alias Baasztian aus seiner Wahlheimat Göttingen mitgebracht. Seine englischen und deutschen Songs verpackten scheinbar Alltägliches in komischen, manchmal absurden Geschichten, so zum Beispiel in „Origami statt Polygamie“. Mit Verve und Charme nahm der gebürtige Österreicher das Publikum für sich ein und regte bei einigen Stücken auch zum Mitmachen an.

 

Gestrandet 34: Endlich Ruhrlaub! II

08.11.2013 bodo-Buchladen, Schwanenwall, Dortmund

Zwei Tage später, am Freitag, den 8. November 2013, folgte der zweite Teil im Dortmunder bodo-Buchladen am Schwanenwall. Dieser bot mit Schaufensterfront und gelegentlich vorbeigehenden Passanten eine gemütliche Atmosphäre.

Edy Edwards sorgt für Blues-Stimmung

Die vielen Bücherstapel und -regale erinnerten mehr an eine kleine Bibliothek als einen Buchladen, und viele Gäste nutzten in der Pause und am Ende der Lesung die Gelegenheit, dort zu stöbern und sich über die Arbeit von bodo zu informieren.

Die Lesung selbst war wie schon beim ersten Akt wieder musikalisch geprägt. Edy Edwards sang mit durchdringender Stimme gegen den Herbstblues an, spielte mehrere Sets, bestehend aus deutschsprachigem Rock’n’Roll und bluesiger Ruhrpott-Poesie, die das Publikum mitrissen.

Ulrich Schröder hatte zwei Filmstudentinnen im Schlepptau, die ein Künstlerporträt über ihn drehten und dazu die Lesung dokumentierten. Souverän trug er Auszüge aus seinem Buch „Ruhrpiranhas“ vor. Philipp Dorok hatte ein ganzes Potpourri an lustigen Gedichten und Kurzgeschichten für das Dortmunder Publikum mitgebracht.

Felicitas Friedrich slammt den bodo.

Felicitas Friedrich slammt den bodo.

Die jüngsten Treibgut-Autorinnen lieferten die wohl stärksten Performances des Abends. Ein Slamtext von Felicitas Friedrich überzeugte nicht nur inhaltlich, sondern bestach auch im Vortrag. Caroline Königs präsentierte einen Auszug aus ihrem absurden Theaterstück über nach Weltherrschaft strebende Overheadprojektoren, auch bekannt als Polyluces, welches Caro zu dem Zeitpunkt am Musischen Zentrum der Ruhr-Uni Bochum inszenierte. Bei der szenischen Lesung im bodo-Buchladen standen Caro neben Treibgut noch weitere Freiwillige zur Seite; dass es zuweilen noch etwas improvisiert rüberkam, tat der Wirkung allerdings keinen Abbruch.

Weitere Eindrücke gibt es in der Galerie.